Geistliches Profil und Tugenden

Göttliche Tugenden

Göttliche Tugenden – Glaube, Hoffnung und Liebe im Leben der Mutter Alfons Maria Der Schlüssel zum Verständnis des geistlichen Lebens der Mutter Alfons Maria sind die göttlichen Tugenden, die das dynamische Prinzip bilden, von dem sich ihr geistliches Leben herleitet. Es zeichnet sich durch folgende Züge aus:

  • Die göttlichen Tugenden sind untereinander eng verbunden in dem Sinn, dass der Glaube, wie ihn die Dienerin Gottes übt, eng mit der Hoffnung verknüpft ist, und diese beiden Tugenden führen unmittelbar zur Liebe zu Gott, die gleichsam ihre Vollendung ist und sich in Taten zeigt, die aus der Nächstenliebe hervorgehen.
  • Man kann sagen, dass die Liebe zu Gott der Kern aller übrigen Tugenden ist.
  • Diese Tugenden sind der einigende Faktor ihres Lebens und die Quelle der Motivation ihres Bemühens.
  • Aus den Gebeten und vertraulichen Bekenntnissen der Dienerin Gottes geht hervor, dass ihr diese göttlichen Tugenden das Bewusstsein einer besonderen persönlichen Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus vermitteln. Sie ist sich der Gegenwart Gottes bewusst und sehnt sich nach der vertrauten Verbindung mit Gott und Jesus Christus.
  • Die Dienerin Gottes bemühte sich, diese Tugenden auf immer vollkommenere Weise zu leben, und ihre Bedingungen waren um so anspruchsvoller, als sie von Anfang an das Ideal der völligen Hingabe an Gott inmitten ihrer Umgebung lebte. Ihr Wille, Gott auf immer vollkommenere Weise zu lieben, hat den Charakter außerordentlicher Erhabenheit.

Glaube

Die Seele des Menschen – die Begeisterung der Mutter Alfons Maria

Für die Dienerin Gottes Mutter Alfons Maria war es nicht schwer, den Glauben an Gott anzunehmen, und sie hielt ihn auch nicht für einen Gegenstand gelehrter Erörterungen. Der Glaube bedeutete für sie Begeisterung für Gott, ein lebenslanges Anhangen an Gott und seine Botschaft, ein persönliches Anhangen an Gott, von dem wir das Heil erwarten. Ganz selbstverständlich verbindet sie sich in Liebe mit Gott und Jesus Christus. Das Glaubensleben, wie es die Dienerin Gottes lebte, war sehr kraftvoll, denn Elisabeth Eppinger wurde in der ersten Etappe ihres Lebens als ein Mensch geführt, auf den Gott seine Hand gelegt hatte und der zu einer übernatürlichen geistlichen Erfahrung berufen war. Aus der Tiefe ihrer Seele sehnte sie sich danach, ein ganz dem Gebet und der vollkommenen Übung der Tugenden im Ordensleben geweihtes Leben zu führen. Sie wünschte, in einen Orden einzutreten. Gott wollte jedoch, dass sie dieses Ideal der Vollkommenheit zuerst im Kreis ihrer Angehörigen und in der Pfarrgemeinde lebe. Auf geheimnisvolle Weise bereitete er sie auf die Gründung einer Kongregation vor, die der Sorge für die Kranken gewidmet war und den Bedürfnissen ihrer Zeit entsprach.

Von frühester Kindheit an zeigte sich bei der Dienerin Gottes ein Geist des Glaubens, den man in ihrem Alter als außergewöhnlich bezeichnen kann. Schon als Vierjährige hörte sie begierig Erzählungen über Gott und nutzte jede Gelegenheit, sich religiöse Wahrheiten erklären zu lassen. Mit sechs Jahren schreibt sie in ihrer Lebensbeschreibung: „Ich hatte ein durchdringendes Verlangen, Gott zu erkennen. Ob ich allein war oder unter Menschen, unaufhörlich beschäftigte mich der Gedanke an Gott.“ Mit sieben Jahren: „Dieses Verlangen war so stark, dass es mir sogar seelisches Leid bereitete.“

Mit zehn Jahren achtete sie stets darauf, nichts von dem zu vergessen, was sie im Religionsunterricht hörte. Immer mehr freute sie sich, am Religionsunterricht teilnehmen zu dürfen. Am Tag ihrer ersten heiligen Kommunion betete sie so: „Guter Jesus, jetzt habe ich meine Taufgelübde erneuert. Hilf mir, alles zu bewahren und zu erfüllen, was uns unser Seelsorger lehrt.“ Der Geist des Glaubens zeigte sich bei ihr in jeder Lage, ihr ganzes Leben lang. Mit ihrem Sinn war sie auf Gott gerichtet; nichts anderes interessierte sie als die Dinge Gottes. Alles betrachtete sie aus der Sicht Gottes.

Auch in der Zeit der Krankheit erlahmte ihr Glaube nicht. Als sie zum ersten Mal erkrankte, empfand sie geistliche Trockenheit, betete aber dennoch beharrlich. Als sie genas, erhielt sie im Geist des Glaubens besondere Gnaden, die ihr halfen, im geistlichen Leben und in der Übung der Tugenden voranzuschreiten.

Während einer weiteren Krankheit (1845–1849) erkannte ihr geistlicher Führer, dass die Dienerin Gottes mit wirklich außergewöhnlichen Gnaden Gottes beschenkt war. Er sprach darüber mit dem Bischof, der sich für die ganze Angelegenheit sehr interessierte, denn er war überzeugt, dass darin ein Eingreifen Gottes zu sehen sei. Die Dienerin Gottes fühlte sich jedoch solcher Gnaden nicht würdig und suchte sich damit in keiner Weise Ruhm zu erwerben.

Was die Gründung der Kongregation betrifft, so vertraute die Dienerin Gottes ihrem geistlichen Führer an, sie habe eine Eingebung von oben erhalten, eine dem Dienst an den Kranken geweihte Kongregation zu gründen. Pfarrer Reichard war anfangs zurückhaltend, bat aber schließlich den Bischof um die Genehmigung.

Als Mutter Alfons Maria Generaloberin war (1849–1867), vertraute sie sich mit vollem Vertrauen der göttlichen Vorsehung an. Es ereigneten sich viele unerwartete Begebenheiten, bei denen Gott zugunsten der Kongregation eingriff und ihrer raschen Entfaltung half. Das Vertrauen der Dienerin Gottes war unermesslich. Wir können es beim Aufbau der Kongregation sehen. Ohne jede menschliche Hilfe machte sie sich an das Werk und erwartete alles Materielle wie Geistliche von Gott. Sie fühlte sich armselig und schwach für eine solche Verantwortung, verließ sich jedoch ausschließlich auf die Gnade. Mit heiligem Mut betete sie zu Jesus: „Weise ab, so lange du willst, ich werde unermüdlich beten. Ich gebe dir, was du wünschst – gib auch du mir, worum ich bitte.“ „O mein Jesus, sieh auf meine Armseligkeit und Schwäche, ich vermag nichts ohne deine Hilfe. Vermehre mein kindliches Vertrauen zu dir.“

„Mein lieber Jesus, tu es du selbst. Du weißt ja, dass ich nichts vermag; es ist dein Werk.“ Zu solchem Vertrauen ermunterte sie jeden, der zu ihr kam: vor allem die vielen Besucher, die darüber Zeugnis ablegten und die, wenn sie von ihr weggingen, Gottes Barmherzigkeit priesen. Auch ihre Töchter ermunterte sie dazu, denen sie sagte: „Wenn Gott so gut war, uns zum Ordensleben zu berufen, wäre es dann nicht kränkend für ihn, wenn wir ihm in all unseren Nöten nicht grenzenlos vertrauten? Wendet euch in jeder Lage an ihn, ohne das geringste Misstrauen.“

Es war vor allem ihr eigenes Beispiel, das ihre Töchter zu grenzenlosem Vertrauen führte.

Die Ergebenheit der Dienerin Gottes gegenüber der Lehre der katholischen Kirche war innig und unerschütterlich. Sie stammte aus einer von Protestanten umgebenen Familie, die um die Bewahrung ihres Glaubens kämpfen musste. Deshalb war sie sich bewusst, welches Glück es für sie war, katholisch zu sein.

„Als mich während meiner Krankheit (mit 17 Jahren) einige Protestanten besuchten, taten sie mir leid, dass sie nicht in der Wahrheit leben. Da dankte ich dem Herrn dafür, dass ich von katholischen Eltern geboren wurde. Oft pflegte ich zu sagen: ‚Ach, welch ein Glück habe ich, dass ich ein Kind der wahren Kirche bin!‘“

Mit tiefem Interesse verfolgte sie den Religionsunterricht, den Pfarrer Reichard hielt, dem sie über alles vertraute. Der Inhalt ihres Glaubens entsprach dem, was man sie lehrte: Gott und die göttliche Vorsehung; Jesus Christus, der uns durch seinen Tod am Kreuz erlöst hat; die Jungfrau Maria; die Heiligen; die Sakramente, vor allem die Eucharistie; der Mensch, der für das Übernatürliche bestimmt ist; die Schwere der Sünde und die Vollkommenheit der Tugenden.

Die Dienerin Gottes hatte eine große Verehrung für die Allerheiligste Dreifaltigkeit. Im Lauf des Tages wiederholte sie oft den Lobspruch: „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.“

Da sie schon von frühester Kindheit an begierig Erzählungen über die Dinge Gottes hörte, wandte sie sich unmittelbar an Gott mit der Bitte um Rat, Hilfe und Schutz. Sie tat es dann, wenn sie den rechten Weg suchte, wenn sie Niedergeschlagenheit erlebte oder wenn sie das Bedürfnis fühlte, Gott für die erwiesenen Gnaden zu danken.

„O guter Gott, gib, dass auch ich so fromm werde wie diese Menschen und dass ich lerne, so innig zu beten wie sie.“ „Ich will dich lieben, ich werde dich lieben und ich will nur deinen Willen erfüllen!“ „Mein göttlicher Bräutigam, sieh, wie ich mich nach dir sehne. Nimm mein Herz ganz in Besitz und zeige mir, wie ich mich noch vertrauter mit dir vereinen kann.“

Im geistlichen Leben der Dienerin Gottes hatte Jesus Christus die zentrale Stellung. Schon als Fünfjährige rührte es sie tief, wenn man vor ihr das Leiden Christi erwähnte. Als sie zehn Jahre alt war und Pfarrer Reichard ihnen in der Schule vom Leiden Jesu am Kreuz erzählte, prägte es sie fürs ganze Leben.

„Diese Worte wirkten so stark auf mich, dass ich am ganzen Leib zitterte. Ich ließ den Herrn Pfarrer nicht aus den Augen, und es schien mir, als sähe ich in ihm das Bild des leidenden Erlösers.“

Wie sie selbst angibt, gefiel ihr keine andere Lehre so sehr wie das Thema des Leidens, denn darin sah sie die Liebe Jesu zu uns. Von zehn Jahren an hatte sie die Gewohnheit, bei der heiligen Messe das Leiden des Herrn zu betrachten. Manchmal war sie davon so ergriffen, dass ihr ganzer Leib zitterte. Sie suchte die Einsamkeit, um besser über das Leiden betrachten zu können. Schon als junges Mädchen versuchte sie, auch ihre Altersgenossinnen zu solcher Frömmigkeit anzuregen. Vor allem aber prägte sie diese Lehre ihren Töchtern ein und kam unablässig darauf zurück. Auf Geheiß unseres Herrn trug sie ihren Töchtern auf, täglich über sein Leiden zu betrachten – davon ist schon in den Ersten Regeln die Rede. Die Dienerin Gottes zeigte ihnen eine Weise der Betrachtung, die zweifellos die ihre war.

Sie nahm das Kreuz in die Hand und öffnete ihr Herz dem Wirken der Gnade, ging allmählich von einer Wunde zur anderen und stellte sich dabei verschiedene Fragen, um sich die Größe des Leidens des Erlösers und seine Liebe zu uns bewusst zu machen. Ihre Seele war in diesem Augenblick so tief berührt, dass sie in gewisser Weise die Schmerzen des Leidens fühlte – sie wurden zu ihren eigenen Schmerzen. Gefühle der Dankbarkeit, der Reue und der Liebe erfüllten sie manchmal ganze Tage lang.

„Die Eindrücke, die sie unter dem Kreuz gewann, verschwanden nie mehr aus ihrem Herzen. Inmitten ihrer Pflichten im Elternhaus und auf dem Feld hatte sie beständig den gekreuzigten Jesus vor Augen, den leidenden Jesus, Jesus, der für die Sünden der Welt stirbt.“

Die Dienerin Gottes hatte eine besondere Verehrung für die Jungfrau Maria. Schon als Dreijährige lernte sie das Ave Maria und wiederholte es wie einen Kehrvers. Von da an wandte sie sich in jeder Lage an die Jungfrau Maria.

„Keine Lehre gefiel mir so sehr wie die Lehre vom Leiden des Herrn und von der Jungfrau Maria“, sagt Elisabeth. Sie war damals acht Jahre alt. „Gegrüßet seist du, Maria, Mutter Gottes, bitte für mich, armes Kind.“

Ihre größte Freude war es, Erzählungen über die Jungfrau Maria zu hören. Sie fürchtete nur, ob sie immer richtig verstehe, was sie über sie hörte. Mit 14 Jahren wiederholte sie beständig das Salve Regina. Sie beschloss, Maria in allem nachzuahmen, besonders in ihrer Schweigsamkeit und Bescheidenheit.

„Beständig nahm ich meine Zuflucht unter den Schutz der gütigen Mutter Gottes.“

Sie vertraute ihr ihre Jungfräulichkeit an: „Durch die Kraft deiner allerheiligsten Jungfräulichkeit und deiner unbefleckten Empfängnis, o reinste Jungfrau, reinige mein Herz und meinen Leib.“ „O Maria, ich will dich nachahmen, ja, ich will es. Ich will deine Tugenden nachahmen. O Maria, hilf mir! O Maria, steh mir bei, auch ich will Jungfrau bleiben, ich will deine Tugenden nachahmen!“

Die Verehrung der Jungfrau Maria verbreitete sie durch das Rosenkranzgebet: von Pfarrer Reichard erhielt sie die Erlaubnis, dass in der Pfarrkirche jeden Sonntag und Feiertag der Rosenkranz zur Sühne für die an diesen Tagen gegen Gott begangenen Beleidigungen gebetet werde. In ihren Ekstasen sah sie Maria als Mittlerin und erhielt die Erkenntnis, dass alle durch Maria gerettet werden und dass die Verehrung ihr gegenüber noch zunehmen wird.

Von der Jungfrau Maria erhielt sie bestimmte Weisungen, die nach ihren Worten erhaben und voll Trost waren.

Die von der Dienerin Gottes gegründete Kongregation war dem Göttlichen Herzen Jesu und dem Unbefleckten Herzen der Jungfrau Maria geweiht. Die Dienerin Gottes hatte große Freude, als der Papst das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis verkündete, das sie acht Jahre zuvor vorhergesagt hatte. An jenem Tag war das Kloster festlich geschmückt.

Unter den übrigen Heiligen hegte die Dienerin Gottes eine besondere Verehrung für den heiligen Josef, den sie als wirksamen Beschützer in den schweren Augenblicken betrachtete, die die Existenz der Kongregation wegen fehlender Mittel bedrohten.

Große Verehrung hatte sie für die heilige Theresia von Ávila, die sie oft bat, „dass sie auf ihre Fürsprache die Gnade erlange, Gott so sehr zu lieben, wie ihn die heilige Theresia liebte, und dass sie wie jene das leibliche und geistliche Leiden zu ertragen vermöge, das Gott ihr zu senden geruht“.

Sie betete auch zum heiligen Alfons Maria von Liguori, den sie als Führer in Fragen des geistlichen Lebens und als Fürsprecher für die Kongregation ansah.

Nach der Jungfrau Maria hatte sie die größte Verehrung für den heiligen Aloisius von Gonzaga, den sie am häufigsten um Fürsprache bat. Diesen Heiligen schätzte sie besonders wegen seiner evangelischen Reinheit.

Was die Sakramente betrifft, zeigte die Dienerin Gottes stets großen Eifer für das Allerheiligste Altarsakrament. Schon von Kindheit an zog sie die Kirche sehr an. Langsam ging sie an der Kirchentür vorbei und wiederholte dabei: „Gelobt und gepriesen sei das Allerheiligste Altarsakrament.“ Sehnsüchtig erwartete sie die erste heilige Kommunion: „O mein Jesus, wann kommt die Stunde, da ich dich empfangen darf. Ach, in jenem Augenblick würde ich vor dir zu Boden fallen und dich anbeten.“ Nach der ersten heiligen Kommunion fühlte sie ein so inniges Verlangen, die Eucharistie zu empfangen, dass sie ihren Beichtvater bat, ihr zu erlauben, jede Woche zur heiligen Kommunion zu gehen. Im Geist war sie stets beim Tabernakel gegenwärtig. Pfarrer Reichard konnte sagen: „Inmitten ihrer Pflichten stellte sie sich sehr lebendig den Altar, die Hostie, den Kelch und die heiligen Riten vor, verband sich innig mit der Meinung und den Gebeten des Priesters und der Ministranten, und so konnte sie überall, wo sie sich befand, geistlich die heilige Kommunion empfangen, als hätte sie persönlich an der Feier der heiligen Messe teilgenommen.“

Während ihrer ersten Krankheit „fühlte sie ein inniges Verlangen, häufiger die heilige Kommunion zu empfangen als das einzige Mittel, das ihr Kraft geben konnte, sich selbst zu verleugnen und ganz auf den eigenen Willen zu verzichten, um allein Gottes Willen zu erfüllen“, und der Pfarrer erlaubte es ihr. Als sie genas, empfand sie es immer als neue Gnade, bei der heiligen Messe anwesend sein und zur heiligen Kommunion hinzutreten zu dürfen. Die Dienerin Gottes betete viel vor dem Allerheiligsten Sakrament und forderte auch andere dazu auf. Sie selbst verbrachte lange Stunden in der Anbetung.

Als Oberin führte sie die ewige Anbetung in den Gemeinschaften ein, die mehr als vierzig Schwestern hatten. In kleineren Gemeinschaften oder in Gemeinschaften ohne Kapelle sollte jede Schwester täglich eine Stunde Anbetung halten. Ihren Töchtern sagte sie: „Ihr müsst vor allem große Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten Altarsakrament haben. Auch wenn ihr im Haus seid, müsst ihr daran denken, dass ihr in der Nähe Jesu seid. Ich empfehle euch, keinen Lärm zu machen. Ich leide, wenn ich sehe, wie gleichgültig und ehrfurchtslos die Menschen sich gegenüber dem Allerheiligsten Altarsakrament verhalten.“

Die Dienerin Gottes zeichnete sich durch großen Gehorsam gegenüber der Kirche aus und hielt treu ihre Anordnungen. Ihre Ehrfurcht vor der Kirche zeigte sich in der Ehrfurcht vor ihrem sichtbaren Oberhaupt; sie betete viel für den damaligen Papst Pius IX. und opferte für ihn ihre Leiden auf. Sie verehrte die Bischöfe und ordnete sich im persönlichen Leben wie bei der Leitung der Kongregation in besonderer Weise Bischof Räss unter. Sie schätzte alle Priester sehr, denn in ihnen sah sie Gott selbst.

„Jedem Priester würde ich gern zu Füßen fallen, nur damit er mich segnet.“ Vor allem aber erwies sie ihr ganzes Leben lang Ehrfurcht und vollkommenen Gehorsam ihrem geistlichen Führer: Pfarrer Reichard, der zur Gründung der Kongregation der Töchter des Göttlichen Erlösers berufen war. Ihren Töchtern prägte sie den Gehorsam gegenüber den Dienern des Altares ein. In den Ersten Regeln heißt es: „In jedem Fall müssen sie dem Pfarrer untergeordnet bleiben, den sie stets als ihren rechtmäßigen geistlichen Vorgesetzten zu betrachten haben, ungeachtet seiner Handlungsweise.“

Die Dienerin Gottes empfing viele Priester, die zu ihr kamen, um sich Rat zu holen, und viele von ihnen bezeugten, wie ihnen ihre Ratschläge halfen. Über die Priester äußerte sie sich freundlich, sprach von ihrer Würde und den priesterlichen Tugenden. Sie betete viel für sie. Ihre Gebete waren sehr inständig.

„Jesus, mein göttlicher Bräutigam, schau auf sie mit barmherzigem Blick, sieh nicht auf ihre Schwächen. O meine Liebe, dir genügt ein einziges Wort: entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. Erfülle sie mit Widerwillen und Abscheu vor allem, was von der Welt ist. Präge ihnen dein bitteres Leiden ins Herz und gib, dass sie alles verlassen, was dir nicht gefällt.“ Für die Bischöfe opferte sie ihr ganzes Leben im Leiden auf.

Der Geist des Glaubens zeigte sich bei ihr in dem großen Leid, das sie empfand, als sie von der Verfolgung der Kirche in Rom, in Frankreich und in der Schweiz erfuhr, ferner in der Sehnsucht nach der Bekehrung der Irrgläubigen und auch in dem eifrigen Bemühen, verirrte Seelen in die katholische Kirche zurückzuführen, besonders die Protestanten in ihrer Nähe.

In dieser Absicht opferte sie zuerst ihre Gebete und Leiden auf, später sandte sie ihre Töchter aus, um Seelen vor allem durch Gebete und durch die Übung der christlichen und der Ordenstugenden zu gewinnen. Sie erklärte, sie sei bereit, ihr Blut zu vergießen und ihr Leben hinzugeben für das Heil derer, die den Glauben nicht haben.

Die Dienerin Gottes Mutter Alfons Maria hasste die Sünde und alles, was dem Glauben widerstrebte. Als Schulkind mied sie Kinder, die hässliche Reden führten. Deswegen weinte sie oft und hatte einen Widerwillen gegen die Schule. Später, als sie einmal beim Abendessen Zeugin eines unanständigen Gesprächs war, blieb sie lieber hungrig; sie stand vom Tisch auf und ging in ihr Zimmer, wo sie betete und weinte.

In ihren Ekstasen sah sie allgemeine wie konkrete Laster samt ihren verschiedenen Ursachen. Dieser Anblick war für sie schmerzlich, ja unerträglich.

Während des ganzen Abendessens betete und weinte sie in ihrem Zimmer, und da das Abendessen im Nebenraum stattfand, verstopfte sie sich vorsichtshalber die Ohren, um durch die Wand nicht zu hören, wovon man sprach. Es wurde ihr klar gezeigt, wie sie die Laster sühnen sollte.

„Sieh, meine Tochter“, sagte ihr der Herr, „das alles musst du sühnen.“ Sie seufzte und sagte: „Ach, welch schwere Last! Dein Wille geschehe!“

In diesen süßen Freuden betrübte sie schon der Gedanke an die Menge der Beleidigungen, die gegen Gott gerichtet sind. Manchmal fühlte sie Zweifel und Widerwillen bei dem Gedanken, dass auch sie eine Sünderin sei, die Gottes Gnade nicht verdient. Andererseits jedoch, wenn die Dienerin Gottes bei ihren Visionen der Bekehrung von Sündern half, empfand sie große Freude. Pfarrer Reichard bezeugt es: „Sie sah viele Bekehrungen unter den Feinden des Katholizismus und unter Schismatikern und Ungläubigen, denen Gott seine Barmherzigkeit erwies. In diesem Anblick der Barmherzigkeit und der Macht Gottes schöpfte sie wieder großen Trost.“

Als Mitglied der Bruderschaft vom Göttlichen Herzen Jesu lag ihr daran, die Sünden anderer durch ihre Gebete und Bußwerke zu sühnen.

Am Ende ihres Lebens erfuhr sie besonders schmerzliche Prüfungen, die für sie eine außerordentliche Gelegenheit waren, die Tugend des Glaubens zu zeigen. Aus politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen wurden nämlich die Häuser in Würzburg, Wien und Ödenburg selbständig. Diese Prüfungen lasteten hart und grausam auf der Gründerin, aber Mutter Alfons Maria ergab sich ganz in Gottes Willen.

Von den wohltuenden Wirkungen des Glaubens wollte die Dienerin Gottes jedem mitteilen, der zu ihr kam. Hervorragend sprach sie über die Dinge Gottes: zuerst ihrer Familie, dann den Kindern und jungen Mädchen von Niederbronn und später den zahlreichen Besuchern, die zu ihr kamen. Gott gebrauchte sie zur Bekehrung vieler von ihnen. Eines der Ziele ihres Werkes war es, ungebildeten Menschen und armen Kindern religiöse Unterweisung zu geben. Sie nahm verlassene arme Kinder auf und sorgte für sie, damit sie die nötige religiöse Unterweisung erhielten und zur ersten heiligen Kommunion gehen konnten. Sie selbst versammelte sie, erzählte ihnen von Gott und führte sie zum Gebet.

Hoffnung

Die Gewissheit, dass Gottes Gnade alle Mängel in ihrem Herzen ersetzen wird

Von früher Jugend bis zu ihrem Tod hatte die Dienerin Gottes ein einziges Ziel, ein einziges Streben: der Grund ihres Seins und Handelns war immer allein Gott, dem sie völlig und vorbehaltlos vertraute. Pfarrer Busson fragte eines Tages die kranke Elisabeth: „Worin besteht Ihrer Meinung nach das größte Glück auf dieser Welt, im Leben und nach dem Tod?“ Sie antwortete ihm: „Darin, dass wir nur Gott haben. Gott ist alles. Wo Gott ist, dort ist Fülle, und wo Gott nicht ist, dort ist Nichts. Gott auf dieser Welt zu haben ist im Grunde dasselbe Glück, das die Heiligen im Himmel haben. Auf Erden können wir uns Gottes nicht voll erfreuen, aber das heißt nicht, dass wir ihn weniger lieben.“

In allem bemühte sie sich, nur den Willen Gottes zu erfüllen. Wenn sie ihn erfüllte, setzte sie all ihr Vertrauen auf Gott, sowohl in Fragen des Lebens auf dieser Welt als auch in Fragen des ewigen Lebens. „O Jesus, in diesen unruhigen Tagen musst du deiner Kirche helfen. Nur du kannst es tun und du musst ihr helfen. O Maria, weise dieses Gebet nicht zurück. Es geht ja um die Ehre deines Sohnes und seiner Kirche.“

Unaufhörlich und mit allen Kräften bemüht sie sich, auch alle Sünder dazu zu führen. Ihr Wunsch und ihre Sehnsucht treiben sie zu beständigem und innigem Gebet für die Bekehrung der Sünder.

Die Dienerin Gottes Alfons Maria wandte sich schon von Kindheit an Gott und trug ihm ihre Bitten vor, die das vollkommene Leben betrafen. Als sie eine Ordensschwester vorübergehen sah, sprach sie im Gebet den Wunsch aus: „Herr und Gott, gewähre mir die Gnade, dass ich dir eines Tages dienen kann wie diese liebe Schwester.“

Schon als kleines Kind wiederholte sie Gott beständig: „Ich will dich lieben. Guter Gott, du wirst mir gewiss die Gnade schenken, dass ich dich liebe.“

Im Bewusstsein ihrer Schwachheit vor Gott bekannte sie ihre Unwürdigkeit mit den Worten: „O mein Gott, was bin ich, dass du mich besucht hast und in mir wohnst!“

Sie war jedoch so gerührt und durchdrungen von der Güte und Barmherzigkeit des Erlösers der Welt, dass sie fest hoffte, er werde durch seine Gnade ergänzen, was in ihrem Herzen unvollkommen ist.

Die Tugend der Hoffnung zeigte sich deutlich in verschiedenen Schwierigkeiten.

In der Zeit der Trockenheit, die die Dienerin Gottes während ihrer ersten Krankheit erlebte, verfolgte sie der Gedanke, dass alle ihre Andachtsübungen nicht die nötige Beschaffenheit hätten, um verdienstlich zu sein, und dass sie vor Gottes Augen Sünden seien. Sie meinte, sie sei zum Gegenstand des Abscheus, des Hasses und des Fluches geworden und habe somit das Heil nicht mehr gesichert. In solcher schrecklichen Verwirrung bemühte sie sich, Gott nahe zu kommen, und sagte: „Auch wenn du mich verlassen hast, ich werde dich nicht verlassen. Ich will nichts tun, was dir nicht gefällt.“

Von Zweifeln an Gottes Güte und Barmherzigkeit hin und her geworfen, wandte sie sich an Jesus: „O mein Jesus, ich glaube an dich, ich vertraue dir und ich will dich lieben.“ Und mit Worten drückte sie Glaube, Hoffnung und Liebe aus.

Bei der Gründung der Kongregation hatte sie oft Grauen vor der eigenen Armseligkeit und Schwäche. Pfarrer Reichard schreibt in diesem Zusammenhang: „Sie war völlig überzeugt, dass man alles dem heiligen Willen Gottes überlassen muss, und in Angelegenheiten des Ordens nahm sie im Gebet Zuflucht zum Göttlichen Herzen, mit dem sie sich über alles beriet. Beständig erwartete sie Hilfe von Gott, im Vertrauen auf seine Barmherzigkeit.“

Dieses Vertrauen prägte sie auch anderen ein. Pfarrer Reichard schrieb in einem Brief an Bischof Räss: „Sie hat nur Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit und prägt dasselbe Vertrauen jedem ein, der mit ihr spricht.“

Die Unterweisungen, die sie ihren Töchtern gab, sind voll von Aufforderungen zum Vertrauen: „Euer ganzes Vertrauen ruhe auf der Barmherzigkeit Gottes und allein auf den Verdiensten Jesu Christi, unseres Göttlichen Erlösers.“

Das Vertrauen auf Gott in schweren Lagen ist einer der Hauptzüge ihrer großen Tugend. In allen Schwierigkeiten verharrte sie im Vertrauen und im Gebet. Sie legte sogar das Gelübde ab, Trost allein bei ihrem Göttlichen Bräutigam zu suchen.

„Mein Jesus“, sagte sie, „ich will alles tun, was du von mir verlangst, aber komm mir immer mit deiner Gnade zu Hilfe; auf dich setze ich mein Vertrauen.“

Durch Vertrauen überwand sie die offenen Angriffe des Teufels.

Die Dienerin Gottes setzte ihre Umgebung durch ihren Frieden und ihre Ausgeglichenheit in Erstaunen, trotz der Schwierigkeiten und Pflichten, die aus ihrer Stellung erwuchsen. Viele Zeugen bestätigen es. Pfarrer Reichard schrieb: „Das durch Schwäche verursachte Leiden hat nie ihre Begeisterung und ihren Frieden gestört. Nichts bringt sie aus der Fassung, nichts kann sie auch nur für einen kurzen Augenblick stören. In jeder Angelegenheit bittet sie Gott um Hilfe und vertraut ihm jede Sache als die seine an. Sie ist ernst und würdig; immer bemerkt man an ihr eine feine Ausgeglichenheit, die die Menschen anzieht und bezaubert.“

In einer ihrer Ansprachen sagte Mutter Alfonsa: „Diese schwere Last werde ich so lange tragen, wie Gott der Herr es will, denn ich habe sie aus Gehorsam gegen seinen heiligen Willen auf mich genommen.“ Pfarrer Busson bezeugt ebenfalls: „Sie ist immer dieselbe, an ihrem Verhalten ändert sich nichts, sie hat stets dieselbe Milde, Freundlichkeit, Sorgfalt und Umsicht, sie hat stets denselben Eifer. Sie will, dass überall der Geist des Ordens bewahrt bleibt.“

Auch wenn sie verschiedene Nöte ertragen musste – leibliches und geistliches Leiden, Verachtung und Widrigkeiten –, war ihre Seele immer ausgeglichen und freudig. Wie sie selbst sagte: „Im Leiden erinnerte ich mich beständig an das Versprechen, das ich Gott noch in der Kindheit gegeben hatte: dass ich mir die Reinheit des Herzens bewahren will, dass ich die Heiligkeit erlangen will und dass ich in allem den heiligen Willen Gottes erfüllen will. Im Leiden sagte ich mir also: ‚Ich werde gern leiden, nur damit ich dies erreiche.‘“

Pfarrer Reichard sagte darüber: „Ihr leibliches Leiden ist äußerst schmerzhaft, sie aber empfindet solche Freude, dass sie es nicht zuließe, wenn es möglich wäre, sie von diesem Leiden zu befreien.“

In Ansprachen an ihre Töchter führte Mutter Alfonsa an: „Euer Leiden sollte weder euer Gesicht noch eure Gedanken betrüben. Das Leiden kann die Seele schon auf dieser Welt glücklich machen. Ich habe Leiden jeder Art erfahren. Ich kann euch versichern, dass eine Seele, die sich ihm hinzugeben und es als ihr Los anzunehmen vermag, glücklich ist. Ja, glücklich. Sie wird nicht einmal einen Augenblick ohne Leiden mehr leben wollen.“

Die Hoffnung der Dienerin Gottes blühte besonders dann auf, wenn sie den Willen Gottes erkannte, wie er auch immer war. Sie ließ sich von ihm mitreißen, im vollen Vertrauen, dass dieser Wille, auch wenn er der menschlichen Natur schwer schien, dennoch das größte Gut war, sowohl für sie selbst und für ihr Werk als auch für Gottes Ehre und für das Heil der Seelen.

Von früher Jugend bis zu ihrem Tod mied die Dienerin Gottes Alfons Maria alles, was ihre Sinne hätte verführen können, wandte sich entschieden von falschen Werten ab, verachtete alle weltlichen Eitelkeiten und richtete ihren Blick ausschließlich auf Jesus Christus und das ewige Leben. Schon als kleines Kind ließ sie das Spiel, nur um zu beten. Als Siebenjährige sagte sie, sie wolle von den Eltern keine Geschenke, sie wolle nur eine Heilige werden. Mit zwölf Jahren keimte in ihrer Seele die Sehnsucht nach dem Ordensleben, und sie fühlte das starke Bedürfnis, sich ganz von der Welt zu lösen: „Unaufhörlich bat ich Gott den Herrn, mich vor der Welt zu bewahren.“ Ihre Töchter wollte sie vor allen Nachstellungen der Welt schützen: „Ihr werdet weder Trost noch Freude in Gott finden, solange ihr sie in der Welt sucht. Ihr tragt das Ordenskleid, um der Welt zu zeigen, dass ihr für sie tot seid. Hütet euch vor unnützen Reden und besonders vor solchen, die weltliche Dinge betreffen.“ Zu diesem Thema könnten wir noch viele weitere ihrer Aussprüche anführen. Der Beweggrund für Elisabeths Bereitschaft zu leiden war die Aussicht auf die ewige Seligkeit. Ihren Töchtern sagte sie: „Wie könnten wir zögern, ob wir das Kreuz annehmen, ob wir uns für eine bestimmte Zeit hier auf Erden ganz an es binden, wenn der Lohn die ewige Seligkeit sein soll? Gott sorgt für uns weit mehr als ein Vater für seine Kinder und mit weit größerer Zärtlichkeit als eine Mutter, darum klagen wir nie, wenn uns Leiden heimsucht. Nehmen wir es mit Freude und Ergebenheit an, und so werden wir gewiss sein, süßen Frieden zu kosten und großes Verdienst für die Ewigkeit zu gewinnen. Wie süß und angenehm wird der Tod sein für eine Seele, die sich unaufhörlich mit ihrem Göttlichen Bräutigam vereint hat! Meine Kinder, jetzt ist im Dienst Gottes alles schwer – ich weiß es aus eigener Erfahrung –, aber habt Mut und denkt oft an eure letzte Stunde. Um eurer Liebe zu Gott willen möge euch der Gedanke an den Himmel immer Mut geben. Ist es so schwer, sich einige Jahre abzutöten, wenn ihr euch jene unendliche Wonne vorstellt, die die abgetöteten Seelen im Himmel erwartet? Meine Kinder, dies ist für uns die Zeit der Kämpfe, der Arbeit und der Opfer. Kreuzigen wir den alten Menschen. Sich in einen neuen Menschen zu verwandeln ist schmerzhaft, aber welcher Trost und welche Herrlichkeit werden uns erwarten!“

Die Dienerin Gottes rief zur Hoffnung auf, besonders die Leidenden, die Zweifelnden, die Armen und die Sünder. Gerade auf sie richtete sie all ihre Liebe. Viele Besucher bezeugten, dass sie ihnen von Gottes Barmherzigkeit und Güte mit solchem Nachdruck erzählte, dass es sie in der Tiefe des Herzens berührte. Das Ziel ihres Werkes war es ja, diese höchste Hoffnung den Menschen auf dem Sterbebett zu bringen und die Kranken und Sterbenden zu versichern, dass Gott als Vater über sie wacht. Die Dienerin Gottes unternahm am Anfang ihres Werkes selbst die ersten solchen Werke der Barmherzigkeit und brachte jedem Leidenden Worte, die von so viel Trost erfüllt waren, dass sie damit auch alle um sich her gewann.

Im Leben der Dienerin Gottes ist die Tugend der Hoffnung eng mit dem Glauben verbunden: beide geben ihrem geistlichen Leben Echtheit und Eifer, was sie zur völligen Hingabe an Gott führt. Aus Glaube und Hoffnung schöpfte die Dienerin Gottes die Kraft, Gott bedingungslos zu lieben.

Liebe

Die Liebe zu Gott – das beständige Suchen Gottes

Die Dienerin Gottes zeigte schon von frühester Kindheit an eine große Liebe zu Gott. Diese Liebe wuchs in ihrer Seele beständig, belebte und erfüllte alle ihre Worte, Gedanken und Taten. Sie war tief und ununterbrochen mit Gott verbunden; nichts konnte ihre Aufmerksamkeit von Gott ablenken.

Die Liebe, die die Dienerin Gottes zu Gott erlebte, hat zweifellos außergewöhnlichen Charakter. Mit allen Kräften strebte sie nach einer immer vollkommeneren Liebe zu Gott, ihr ganzes Leben lang bemühte sie sich, aus ihr zu leben, und von dieser Liebe zu Gott ließ sie sich beharrlich umgestalten. Auf ihre eigene Weise lebte sie „heldenhaft“ nach dem Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deiner Kraft“ (Dtn 6,5; Mk 12,30).

Die Nächstenliebe – die Liebe Gottes, Quelle der Nächstenliebe

Schon als kleines Kind wiederholte sie Gott mit süßem Wohlgefallen: „Ich will dich lieben, ich werde dich lieben, ich will nur nach deinem heiligen Willen verlangen. Guter Gott, du wirst mir gewiss die Gnade schenken, dass ich dich liebe, dass ich dich allein liebe und dass ich immer und in allem deinen heiligen Willen erfülle.“

Zugleich empfand sie in sich das wachsende Verlangen, „eine Heilige zu werden“. Als sie acht Jahre alt war, fürchtete sie, sie werde Gott nicht genug lieben können, und stellte sich die Frage: „Mein Gott, werde ich dich mein ganzes Leben lang lieben und immer das tun können, was dir gefällt?“ Aufgrund der erhaltenen Dokumente können wir bestätigen, dass sich diese Neigungen in ihr entwickelten, während sie allmählich heranreifte. Die Dokumente bezeugen, dass sie in ihren Gebeten oft um die Gnade bat, alles zu meiden, was sie von Gott trennen könnte. Als sie eine besonders schmerzliche Zeit der Trockenheit erlebte, schien es ihr, Gott habe sie verlassen. Mit Selbstverleugnung sagte sie jedoch zu Gott: „Auch wenn du mich verlassen hast, ich werde dich nicht verlassen. Ich will nichts tun, was dir nicht gefällt. Nein, wirklich, ich will es nicht.“

In den Ersten Regeln findet sich die dringende Empfehlung, alles aus Liebe zu Gott zu tun, damit wir nicht seien wie eine klingende Schelle, wie der Apostel Paulus schreibt.

Alle Gespräche der Dienerin Gottes betrafen Gott. Es war nicht möglich, mit ihr über etwas anderes zu sprechen als über Gott und das Wohl der Seelen. Wie sie selbst sagte: „Es ist für mich ein Trost und eine unbeschreibliche Gnade, dass ich über nichts anderes sprechen kann als über die Dinge, die der Ehre Gottes und dem Heil der Seelen dienen.“

Sie legte das Gelübde ab, mit den Menschen nur über die Dinge Gottes zu sprechen oder über Dinge, die das Heil der Seelen betreffen. Pater Amhard, ein Redemptorist, der sie besuchte, sagt, sie habe über die Dinge Gottes ungewöhnlich leicht gesprochen.

Ein ausgeprägter Zug der Spiritualität Elisabeth Eppingers ist die Liebe zu Jesus Christus. Schon in frühester Kindheit gab sie Jesus den ersten Platz. Wenn jemand vom Leiden sprach, hörte sie immer aufmerksam zu und konnte es so allmählich erforschen. Sie vertraute an, dass sie mit vier Jahren ein Gespräch über das Leiden Christi hörte und der Gedanke an das Leiden, das Jesus erdulden musste, sie so sehr rührte, dass sie zu weinen begann. Das Wohlgefallen am gekreuzigten Christus verließ sie nie mehr, und in den Augenblicken größten Leidens hielt sie ein kleines Kreuz in der Hand. Der Religionsunterricht hinterließ in ihr einen tiefen Eindruck. Die häufige Betrachtung des Leidens des gekreuzigten Christus führte sie zu einem noch tieferen Erleben dieses Geheimnisses. Man muss auch sagen, dass die Pfarrangehörige Elisabeth, die eifrig an der Feier der Liturgie teilnahm, diese Frömmigkeit durch die Riten der Karwoche oder durch die Kreuzwegandacht oder die Andacht zum Göttlichen Herzen in sich pflegte.

Es ist erstaunlich, dass die junge Elisabeth sehr früh einen Sinn für den sühnenden Wert des Leidens Christi entwickelte; sie sah darin den Ausdruck der Liebe Christi zu den Menschen und sagte selbst, Jesus sei gestorben, um die Sünden der Menschen zu sühnen und bei seinem Vater die Vergebung der Sünden zu erlangen. Ihren Glauben bekannte sie beständig im Geheimnis der Erlösung, das in ihrer Betrachtung und Frömmigkeit die zentrale Stellung einnahm.

Ein weiterer charakteristischer Zug des geistlichen Lebens der Dienerin Gottes ist ihre Sehnsucht nach der vertrauten Verbindung mit Christus. Diese Haltung drückt sie auf verschiedene Weise aus. Wenn sie vom Gebet spricht, äußert sie den Wunsch, vor Jesus zu sein und den ganzen Tag seinen Namen zu preisen und zu loben.

Bei der heiligen Kommunion kommt ihr diese Bitte in den Sinn: „Mein geliebter Jesus, jetzt habe ich dich in meinem Herzen. So lange habe ich mich nach dir gesehnt! Jetzt wirst du gewiss in meinem Herzen bleiben. Sieh, ich übergebe mich dir ganz. Du wirst mein Herz gewiss mit den Tugenden schmücken, die dir die liebsten sind. Nie mehr will ich dich beleidigen, und so hilf mir immer, mein Jesus. Maria, meine Mutter, komm und hilf mir, Jesus anzubeten, den ich soeben in mein Herz aufgenommen habe.“ So drückte sie das Empfinden der Gegenwart Christi in ihr aus und auch den Wunsch, dass seine Gegenwart fortdauere.

Sie äußert sich auch mystischer, wenn sie von Christus als dem Göttlichen Bräutigam spricht: hier kommen wir schon zur Vereinigung der Liebe. In der Zeit, da sie nach dem Vorbild der Jungfräulichkeit unter der Führung von Pfarrer Reichard lebte, konnte sie sich als „geweihte Jungfrau“ betrachten. Später, als sie Mitglied der Kongregation des Allerheiligsten Erlösers wurde, konnte sie sich den Titel Braut Christi zu eigen machen und mit diesem Namen auch die übrigen Schwestern der Kongregation nennen.

In den Ersten Regeln wird angeführt, dass Mutter Alfons Maria sehr empfänglich ist „für die barmherzige Liebe Jesu, der die Kranken heilt und aufmerksam auf die Bedrängnisse derer hört, die aus der Tiefe ihres Elends zu ihm rufen“.

Und schließlich ist auch die Vorstellung „Christus, der in mir lebt“, die man an vielen Stellen zwischen den Zeilen lesen kann, in den Ersten Regeln klar ausgedrückt: „Der Geist der Töchter des Göttlichen Erlösers soll der Geist Jesu Christi sein und muss die Schwestern der Kongregation in dem Maß beleben und erfüllen, dass es in all ihren Taten und Worten zu sehen ist. Mit einem Wort, sie müssen mit dem Apostel sagen können: ‚Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.‘“

Die innige Liebe Elisabeth Eppingers zu Gott zeigt sich besonders in ihrer Begeisterung für das Gebet und in der großen Gabe des betrachtenden Gebetes. Schon als Vierjährige empfand sie Freude am Gebet; als Siebenjährige betete sie lange mit ausgestreckten Armen; ohne die Arbeit zu vernachlässigen, suchte sie jede Gelegenheit, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen und zu beten. „Ich fühlte mich stark zum inneren Gebet und zur ununterbrochenen und vertrauten Verbindung mit Gott hingezogen“ (mit 12 Jahren). „Ich bemühte mich, den ganzen Tag über im ununterbrochenen Gespräch mit Gott zu bleiben“ (mit 17 Jahren).

Pfarrer Reichard legt Zeugnis ab: „In der Nacht stand sie vom Bett auf, kniete nieder und verbrachte lange Stunden im Gebet.“ Pfarrer Reichard führt auch an, dass sie nach der ersten Zeit der Krankheit und Trockenheit eine außergewöhnliche Leichtigkeit empfindet, mit Jesus Christus zu sprechen. Offen drückt sie ihm ihre Gefühle der Liebe und Hingabe aus. Sie fragt ihn, was sie tun soll, um ihm zu gefallen. Sie klagt ihm alle Versuchungen, denen sie in der Welt ausgesetzt ist, und alle Gefahren, denen sie gegenübersteht, das, was sie beim Gebet stört, und alle ihre geistlichen Schwächen. Besonders aber während der dritten Krankheit erhob sie der Herr auf eine hohe Stufe des betrachtenden Gebetes und in den Zustand der Ekstase. Pfarrer Reichard führt an: „Die Gespräche mit ihrem Göttlichen Bräutigam sind jetzt so vertraut, dass sie, was die äußeren Dinge betrifft, wie tot und unempfänglich ist. Sie betet vor allem für das Heil der Seelen, und zwar mit solchem Wohlgefallen, dass sie sich selbst völlig vergisst und ihr Leiden gar nicht beachtet.“

Wir könnten mehrere solcher Aussagen anführen. Die Dienerin Gottes sprach zu ihren Töchtern beständig über das Gebet: „Meine Kinder, mir wurde gegeben, in euren Herzen das Wohlgefallen an vertrauten Gesprächen mit Gott zu wecken. Gott anbeten und ihm beständig danken – welch erhabene Tätigkeit! Welch unbeschreibliche Seligkeit! Ihr seid hierher gekommen, um das Leben Jesu Christi zu leben, ein abgetötetes, gekreuzigtes Leben nach unserem Göttlichen Vorbild. Studiert ihn beständig, betrachtet ihn bei Tag und bei Nacht, um ihm euer eigenes Leben gleichzugestalten.“

Die erste Äußerung der Liebe zu Gott, die wir bei der Dienerin Gottes Alfons Maria sehen, war die Vermeidung der Sünde, als sie vier Jahre alt war.

„Wenn das eine Sünde ist, will ich es nicht mehr tun, ich will Gott den Herrn nicht beleidigen!“

Von diesem Alter an beginnt ihr Kampf, der erbittert werden sollte; sie verfolgt die Sünde in ihrem Inneren und um sich her: „Ich erschrak so sehr vor der Sünde, dass ich Widerwillen gegen Menschen empfand, die fluchten oder eine andere Sünde begingen.“

Pfarrer Reichard bezeugt es: „Sie hörte Lästerung und Auflehnung gegen Gott, sie konnte sich von solchen Szenen nicht losreißen, man musste sie mit Gewalt dazu zwingen, damit aufzuhören. Sehr litt sie beim Anblick dessen, wie die Menschen Gott beleidigen. Beständig war sie angetrieben, seufzend zu beten, zugleich aber fühlte sie im Herzen Frieden, Zufriedenheit und ein unermesslich tiefes kindliches Vertrauen zu Gott.“

Die Dienerin Gottes hatte nicht nur Grauen vor der Sünde, sondern bemühte sich, jede Unvollkommenheit zu meiden, besonders wenn es um das Gebet und den Empfang der Sakramente ging. Wie sie selbst angibt: „Ich stellte mir die Gegenwart Jesu vor. Von diesem Augenblick an begann ich ernstlich gegen die Zerstreuungen während des Gebetes zu kämpfen. Ich wagte nicht mehr, mich umzusehen, noch nachlässig zu knien oder die Hände nachlässig gefaltet zu halten. Sogleich stellte ich mir die Gegenwart Gottes in unendlicher Majestät vor.“ Als sie zwölf Jahre alt war, fühlte sie ein starkes Verlangen, sich gut auf die erste heilige Kommunion vorzubereiten, und kämpfte deshalb gegen ihre größte Unvollkommenheit. Pfarrer Reichard spricht später davon, wie eindringlich sie vor der heiligen Kommunion betete und dass sie danach in tiefer Betrachtung war und wie sich Gott ihr in jenem Augenblick zu erkennen gab. Als sie ihren Töchtern Anweisungen gab, wie sie gut beten und zur heiligen Kommunion hinzutreten sollen, empfahl sie ihnen dies: vor der Kommunion Abtötung, geistliche Lesung und vor allem Nächstenliebe.

„Hütet euch jedoch davor, zum Mahl des Herrn zu gehen, wenn eure Seele absichtlich lieblose Gefühle gegen den Nächsten hegt.“

Sie verlangt von ihnen, sich gründlich auf den Empfang des Bußsakramentes vorzubereiten. Die Unterweisung über Betrachtung und geistliche Lesung: „Wir sollen nicht nach Erkenntnis verlangen, sondern von Gott Gnade, Hilfe und Erleuchtung erwarten. Immer sollen wir die Ehre Gottes, das Heil der Seelen und die Gnade vor Augen haben, seinen heiligen Willen bis auf den Buchstaben zu erfüllen.“

Um Gott zu gefallen und ihm ihre Liebe zu beweisen, vollbrachte die Dienerin Gottes Alfons Maria Werke der Abtötung und Buße. Als Siebenjährige versagte sie sich beim Essen das, was sie gern hatte. Als sie etwa dreizehn Jahre alt war, fühlte sie das Bedürfnis nach leiblicher Abtötung.

„Ich empfand ein starkes Verlangen, mich in leiblichen Bußübungen zu üben. Ich begann, beim Gebet auf einer harten Unterlage zu knien. Mit Tränen in den Augen sagte ich: ‚O mein Jesus, gib mir die Gnade, dass ich nicht eine einzige Stunde des Tages verbringe, ohne dich zu lieben!‘“

Sie tötete sich bei der Arbeit auf dem Feld ab, dachte an die Blutstropfen ihres Erlösers und betete dabei: „Mein Jesus, jetzt gibst du mir gewiss, worum ich dich bitte; du wirst mich gewiss erkennen lassen, was ich tun soll, um dir Freude zu bereiten und dich nicht zu betrüben.“

Manchmal schlief sie auch auf hartem Lager. Bei solcher Abtötung ordnete sie sich vollkommen ihrem Beichtvater unter. Sie tötete sich auch innerlich ab: „In Gedanken suchte ich kleine Abtötungen, die ich bei der Arbeit oder auf dem Weg zur Arbeit ausüben könnte, in der Absicht, von Gott die Gnade zu erlangen, ihn immer mehr zu lieben.“

Ihre Töchter lehrte sie, äußere und innere Abtötung zu üben, und war ihnen darin beständig ein Beispiel.

Die Dienerin Gottes sehnte sich nach Erniedrigung, Widrigkeiten und Verachtung. Sie hatte vor, in einen Orden einzutreten, „um die Allerletzte sein zu können“.

„Mein Gott, lass mich noch mehr leiden, ich will mit dir zusammen leiden.“

Ihr ganzes Leben lang musste sie Verachtung und verschiedene Widrigkeiten ertragen; zuerst wegen ihrer Ekstasen, später wegen ihres Werkes, das man für unsinnig und unausführbar hielt. Alles ertrug sie und klagte nie.

„Sieh, meine Tochter, wenn sich eine Seele so verhält, öffne ich ihr mein Herz. Ich lasse sie meine Liebe zu ihr erkennen, ich zeige ihr meine liebevolle Beziehung zu ihr und auch, wie gefährlich es für sie wäre, wenn ich ihr gäbe, was sie von mir erwartete, und wie nützlich diese Prüfungen und Widrigkeiten für sie sind. Ich lasse sie in meine väterliche Sorge und meinen Schutz eindringen. Ich gebe ihr Erkenntnis über sie selbst.“

Pater Amhard, CSsR, konnte über sie sagen: „Sie hatte ein großes Verlangen nach Erniedrigung und nach dem Kreuz.“

Davon waren auch ihre Ansprachen an ihre Töchter immer geprägt: „Meine Kinder, nehmt bereitwillig Erniedrigungen an nach dem Vorbild der Apostel, die sich freuten, dass sie würdig waren, Verachtung und Schmach für den Namen Jesu Christi zu ertragen.“

Die Dienerin Gottes Mutter Alfons Maria stärkte ihre brennende Liebe durch die Verehrung des Leidens unseres Herrn. Wir können sagen, dass sie schon von fünf Jahren an beständig darüber betrachtete und dass das Leiden ein tiefes und notwendiges Bedürfnis ihrer Seele war. So suchte sie ihre Liebe zu vermehren und begriff zugleich immer besser die Grenzenlosigkeit der Liebe Jesu zu uns, was sie dazu führte, mit heiligem Eifer um jeden Preis die Sünde zu meiden und sich abzutöten. Nach schweren Prüfungen gelangte sie schließlich an den Punkt, an dem sie sich das Leiden als eine ausgezeichnete Gnade wünschte und nicht mehr ohne Leiden leben konnte. Auf Eingebung von oben legte sie ihren Töchtern die Pflicht auf, täglich über das Leiden unseres Herrn zu betrachten.

Beständig wiederholte sie ihnen, dass gut ertragenes Leiden der sicherste Weg des Fortschritts in der Heiligkeit ist.

„Verlieren wir nie den gekreuzigten Jesus aus den Augen“, sagte sie: „wie wohltuend und angenehm ist es, in den Wunden des gekreuzigten Jesus zu leben und zu sterben.“

Die Dienerin Gottes Mutter Alfons Maria liebte Maria in besonderer Weise. Schon von frühester Kindheit an, als Dreijährige, fühlte sie sich von der Zärtlichkeit der himmlischen Mutter berührt, und von da an vertraute sie Maria alle ihre Nöte an. Sie sehnte sich danach, durch Maria zu Gott und zu Jesus Christus zu gelangen. Sie bittet sie vor allem darum, ihr die Seele in Reinheit zu bewahren. Sie sehnt sich danach, Maria in allen Tugenden nachzuahmen, und durch deren Übung entwickelt sich in ihr diese Reinheit.

„Beständig empfahl ich mich dem Schutz der gütigen Mutter Gottes.“

Von Maria erwartet sie, dass sie ihr die Gnade erwirke, Jesus als seine Braut im Ordensleben nachzufolgen. Sie hat eine große Verehrung für die Unbefleckte Empfängnis.

„Oft wiederholte ich dieses Gebet: ‚Durch die Kraft deiner heiligen Jungfräulichkeit und deiner unbefleckten Empfängnis, reinste Jungfrau, reinige mein Herz und meinen Leib.‘“

Sie sehnte sich danach und hoffte, dass Maria in der christlichen Welt immer verehrt und noch mehr geliebt werde.

„Alles wird durch Maria gerettet werden“, wiederholte sie. Sie wollte, dass ihre Töchter täglich den Rosenkranz beten und betrachten. Ihre Verehrung endet jedoch nicht bei Maria: durch die Jungfrau Maria will die Dienerin Gottes zu Gott und zu Jesus Christus kommen, um in Verbindung mit ihnen zu leben.

Pfarrer Reichard, der Beichtvater der Dienerin Gottes, und Bischof Räss, dem sie ihr ganzes Handeln unterstellte, bezeugten die Reinheit ihres Gewissens. Pfarrer Reichard sagt: „Es ist wahr, dass es für diese engelhafte Seele, die zu Lebzeiten nicht ein einziger unreiner Gedanke befiel, eine wirkliche Qual war, wenn sie aufgrund göttlicher Offenbarung vielen Menschen, die zu ihr kamen, die Sünden gegen die Reinheit aufdecken musste.“

Bischof Räss führt an: „Nichts erlaubt mir anzunehmen, dass sie von einem anderen Geist als dem Geist Gottes erfüllt gewesen wäre.“

Beständig rief sie zur Verherrlichung Gottes auf, und zwar nicht nur ihre Angehörigen und die vielen Besucher, denen sie sehr innig zusprach, sondern auch alle Seelen, für die sie eindringlich zu Gott betete.

„Mein gütiger Jesus, erbarme dich dieser Pfarrei. Gib, dass alle Pfarrangehörigen die Gnaden erkennen, die du ihnen erwiesen hast. Jesus, sei besonders den Eltern gnädig, erleuchte sie, damit sie sich mehr um die Seelen ihrer Kinder kümmern. Erbarme dich der Jugend, gib den jungen Menschen größere Liebe zu den Tugenden und zur Frömmigkeit, entzünde sie mit deiner Liebe. Mein beständiges Verlangen und alle meine Wünsche zielen darauf, dass alle Menschen den Namen des Herrn verehren und dass ihn die Menschen besser erkennen.“

Sie war mit außerordentlichen Gnaden beschenkt. Oft verfiel sie in den Zustand der Ekstase, wobei sie immer nach ihr und manchmal auch während ihrer in eindringliches Gebet versunken war und das Verlangen fühlte, ein Opfer darzubringen für die Sache, die ihr offenbart worden war. Diesen Zustand stellte Pfarrer Reichard regelmäßig bei ihr fest, mehrmals untersuchten ihn die kirchlichen Autoritäten und bezeichneten ihn stets als übernatürlichen Zustand. Sie hatte die Gabe, in den Herzen der Menschen zu lesen und geheime Taten und Gedanken aufzudecken, um den betreffenden Menschen zur Bekehrung zu führen. Viele Schwestern bezeugten, dass sie sie im Zustand der Ekstase vom Boden erhoben sahen.

Die Dienerin Gottes zeigte die Kraft ihrer Liebe auf außerordentliche Weise. Sie war so mit Gott verbunden, dass nichts sie von ihm losreißen konnte. Ihre physische Kraft nahm manchmal unter Umständen zu, die sie im Gegenteil hätten schwächen sollen: beständige Besuche, leibliches und geistliches Leiden, wenig Essen. Je mehr sie leiden muss, desto mehr wachsen ihr Vertrauen und ihr Friede. Mit Erlaubnis von Pfarrer Reichard legte sie Gelübde ab, die sie heldenhaft erfüllte. In ihrem ganzen Leben lässt sich kein einziger Fall finden, aufgrund dessen man schließen könnte, dass sie sie nicht mit strenger Treue gehalten hätte. Die Kraft ihrer Liebe zeigt sich besonders darin, dass sie ein Werk begann, das ganz zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen war, ohne jegliche menschliche Mittel, und es trotz verschiedener Schwierigkeiten unermüdlich bis zu ihrem Tod fortsetzte.

Sie zeichnete sich durch ihre ununterbrochene Verbindung mit Gott aus. Es gibt darüber viele Zeugnisse von Menschen, die sie kannten. Sie selbst gab an: „Es vergeht nicht eine Minute, ohne dass ich meinen Göttlichen Bräutigam vor Augen hätte und an ihn dächte, und zugleich bitte ich ihn immer um etwas.“ Pfarrer Reichard bestätigt: „Ihre Verbindung mit dem Göttlichen Bräutigam und die vertrauten Gespräche mit ihm sind ununterbrochen, sie dauern auch während ihrer täglichen Pflichten an.“

Pfarrer Busson führt an: „Sie war in tiefe Betrachtung versunken. Unaufhörlich beschäftigte sie sich mit Gott, ihn betete sie an und ihn liebte sie in jeder Tätigkeit.“

In den Ersten Regeln findet sich eine Stelle, die den tiefen Gedanken der Mutter Alfons Maria über die wahre Grundlage der Nächstenliebe ausdrückt: „Damit wir ein gutes Werk mit Eifer vollbringen und es in den Augen Gottes verdienstlich werde, müssen wir es aus Liebe zu Gott vollbringen. Ohne diese Absicht ist alles leer und kalt, denn jeder natürliche Beweggrund, der uns antreibt, Gutes zu tun, ist schwach und kann keine übernatürlichen Verdienste bringen. ‚Wenn ich Gutes täte, mir aber die Liebe fehlte, wäre ich wie tönendes Erz und eine klingende Schelle‘, wie der heilige Paulus sagt (vgl. 1 Kor 13,1). Und der heilige Johannes sagt: ‚Wer nicht liebt, bleibt im Tod‘ (1 Joh 3,14). Die Liebe, die diese beiden Apostel als Beweggrund des Gutestuns beschreiben, ist nicht nur die Nächstenliebe, sondern zugleich die Liebe zu Gott. Die Nächstenliebe und die Liebe zu Gott bilden ein Ganzes; man kann sie nicht voneinander trennen. Die Grundlage der Nächstenliebe muss immer die Liebe zu Gott sein; den Nächsten müssen wir aus Liebe zu Gott lieben.“

Die Dienerin Gottes nährte ihre Nächstenliebe mit der vorbehaltlosen Liebe zu Gott. Unaufhörlich dachte sie daran, wie sie aus Liebe zu Gott zum Heil des Leibes und der Seele beitragen könne. Das Verlangen, den Nächsten Gutes zu tun und ihnen Gott, das höchste Gut, zu übergeben, wurde in ihr noch in frühester Kindheit geboren, und auf verschiedene Weise bemühte sie sich, es ihr ganzes Leben lang zu erfüllen. Sie erklärte, dass sie für das Heil eines Menschen bereit sei, nicht nur alle irdischen Güter, sondern sogar das eigene Leben zu opfern und alles zu erleiden, was Gott über sie kommen lässt.

Noch vor der Gründung der Kongregation war die Dienerin Gottes Mitglied des Dritten Ordens des heiligen Franziskus und Mitglied der Bruderschaft vom Göttlichen Herzen Jesu. Pfarrer Reichard führte auch den Dienst des Krankenbesuchs ein, an dem sich Elisabeth Eppinger in den Zeiten, in denen ihre Gesundheit zurückkehrte, aktiv beteiligte.

Schon in jungen Jahren lag ihr die Heiligung des Nächsten am Herzen. Diesen Eifer zeigte sie schon in der Kindheit und in der Zeit des Heranwachsens gegenüber ihren Nächsten und Angehörigen: gegenüber den Eltern und Geschwistern, den Dienstboten, den Kindern, mit denen sie spielte, den Mitschülern und Freunden. Beständig versuchte sie, sie dahin zu führen, dass sie die Sünde meiden, Gott lieben und die Tugenden üben, und das trotz Spott und Beleidigungen.

Die Liebe der Dienerin Gottes war vor allem auf das Heil des Nächsten gerichtet. Unermüdlich betete sie für die Sünder und bemühte sich um ihre Bekehrung. Sie sagte: „Für die Sünder empfinde ich große Zärtlichkeit; ich sehe in ihnen Geschöpfe Gottes und den Gegenstand seiner Liebe.“

Pfarrer Reichard bezeugt: „Sie fühlt sich beständig von einer unwiderstehlichen Kraft zu Gott als ihrem Erlöser hingezogen und sehnt sich ebenso unaufhörlich und mit derselben Kraft danach, alle Sünder zu ihm zu führen.“

Auch später, während der dritten Zeit der Krankheit, hielt sie weiter an dieser Absicht fest, als sie den ganzen Tag über eine Menge von Besuchern empfing, ohne auf die Müdigkeit zu achten. Sie sprach zu ihnen nur von Gott und von der Heiligung ihrer Seele. Schließlich entfachte sie diesen Eifer, der in ihrer Seele brannte, auch in ihren Töchtern: „Keine Anstrengung, keine Mühe und kein Opfer darf euch schwer sein, wenn die Nächstenliebe es verlangt.“

Bei der Begegnung mit der Dienerin Gottes kam es zu vielen Bekehrungen. Pfarrer Reichard bezeugt: „Jeder ging von ihr bis zu Tränen gerührt weg.“

Pfarrer Glöckler führt an: „Sie macht einen wohltuenden Eindruck, und jeder geht tief berührt von ihr weg und fasst heilsame Vorsätze für das ganze Leben.“

Pfarrer Busson beschreibt: „Ganze Scharen von Besuchern gingen mit befriedigtem Herzen von ihr weg. Die einen empfanden Trost in ihren Nöten, die anderen waren bereit, eine ungeordnete Lebensweise aufzugeben, und wieder andere wurden im Tun des Guten gefestigt.“

Viele von Angst, Unruhe, Zweifeln und Versuchung erfüllte Seelen wandten sich an die Dienerin Gottes und fanden bei ihr Licht, Beruhigung und Stärkung, und legten darüber Zeugnis ab. Sie sagte ihnen, dass man in solchen Prüfungen nicht den Mut verlieren dürfe, sondern mit Vertrauen das Herz zu Gott erheben und allein von ihm Hilfe erwarten solle.

Die Dienerin Gottes widmete sich dem Unterricht ungebildeter Menschen und besonders armer Kinder, die sittlich vernachlässigt waren. Sie selbst versammelte sie, um ihnen von Gott erzählen zu können, und lehrte sie beten, und das alles mit großer Begeisterung. Es war eines der Ziele ihres Werkes: solche Kinder bis zum Empfang der ersten heiligen Kommunion zu bilden.

Von Anfang der Kongregation an nahm die Dienerin Gottes arme Kinder aus den Dörfern auf, die zur Pfarrei Niederbronn gehörten. Diese Kinder erhielten jeden Morgen ein Frühstück und am Mittag ein Mittagessen. Ihre Zahl wuchs rasch: nach dem ersten Monat waren es fünfundzwanzig, einige Monate später schon zweiundvierzig. Den meisten Kindern stellte sie auch Kleidung zur Verfügung.

Mutter Alfons Maria wollte, dass ihre Töchter die Kinder in ihre Häuser aufnehmen, ihnen Nahrung und Kleidung geben, von morgens bis abends aufmerksam über ihr Verhalten wachen und ihr Herz zur Tugend formen. Sie wollte, dass junge Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren der Gefahr des Müßiggangs entrissen werden und dass ihre Töchter sie das Arbeiten lehren. Viele Gemeinderäte zollten ihrer gut geleisteten Arbeit Anerkennung.

Die Dienerin Gottes richtete ihre Liebe auf die Armen und die Kranken: ihretwegen gründete sie ihr Werk. Sie war für ihre Bedürfnisse sehr empfänglich und lehrte ihre Töchter, wie sie ihnen helfen sollen. Am Anfang leistete sie ihnen selbst Hilfe, um ihren Töchtern ein Beispiel zu geben. Sie wollte, dass unter den Kranken, die die Hilfe der Schwestern suchen, die Armen den Vorrang haben. Gaben von den Reichen verteilte sie an die Armen, damit diese Gaben der Annäherung und Versöhnung aller ohne Unterschied dienten. Sie wollte, dass ihre Töchter in den Armen immer den leidenden Erlöser sehen: „Die Absicht der Töchter des Göttlichen Erlösers soll der Dienst an Jesus Christus sein, der persönlich in jedem armen Kranken gegenwärtig ist, wobei sie an die Worte des Erlösers denken sollen: ‚Was immer ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.‘“

Die Dienerin Gottes bevorzugte niemanden und vollbrachte Werke der Liebe an den Ärmsten und Vernachlässigtsten. Da sie selbst in armen Verhältnissen aufwuchs, krank war und nichts hatte, was in der Welt geschätzt wird, hatte sie tiefes Verständnis für die Bedürfnisse der Elenden und war für jede Not empfänglich. Jede Form des Mangels, sei er geistlich, leiblich oder materiell, weckte in ihrem Herzen Mitleid und den Willen, ihn zu beheben.

In der Gegend, wo Katholiken und Protestanten nebeneinander lebten, sorgte sie auch für die Protestanten, die sie um Hilfe baten, und gewährte ihnen die Pflege opferbereit und mit Liebe.

Die Dienerin Gottes betete viel für die Sterbenden und für die Seelen im Fegefeuer. Auf Eingebung des Herrn empfahl sie diese Tätigkeit sogleich auch ihren Töchtern und legte in den Regeln die täglichen Gebete fest, die in dieser Meinung gebetet werden sollen.

Sie hatte auch ihre Feinde und Gegner, doch wenn sie offene Feindschaft ertragen musste, sprach sie nie Worte aus und zeigte nie Gefühle, die der Liebe widersprochen hätten. In bestimmten Lagen widersprach sie nur durch eine ruhige Erklärung über ihre Pflichten als Generaloberin. Sie lehrte das, was sie selbst heldenhaft übte: „Wir müssen sie weiterhin schätzen, auch wenn sie uns auf verschiedene Weise beleidigen und erniedrigen: wir werden ihnen noch mehr Gutes erweisen als denen, die unsere Wohltat anerkennen, uns Achtung erweisen und uns loben. Solange wir nicht entschlossen sind, alles von unseren Nächsten zu ertragen und nicht zu zürnen, können wir die Vollkommenheit nicht erreichen.“

Pfarrer Glöckler konnte sagen: „Mutter Alfonsa war immer ausgeglichen und zürnte in Widrigkeiten selbst dann nicht, wenn der Schmerz ihr verwundetes Herz durchbohrte und sie den erwiesenen Hass nicht mehr weiter zu ertragen vermochte.“

Mutter Alfonsa erwies ihren Töchtern eine tatkräftige Liebe. Sie machte weder vor Müdigkeit noch vor Unwohlsein halt – da sie ja beständig krank war –, wenn sie sie empfing, besuchte oder ermutigte. Man musste sie geradezu bitten, auf ihre Gesundheit Rücksicht zu nehmen.

Die Dienerin Gottes wandte alle Mühe auf, damit um sie her Friede und Eintracht herrsche. Wenn sie ihren Töchtern Unterweisungen gab, betonte sie sehr die geschwisterliche Liebe. Es war das Thema ihrer ersten Unterweisung, was beweist, dass es eines ihrer Hauptanliegen war. Sie sagte: „Meine Kinder, lernt einander unter allen Umständen zu ertragen. Wenn eine gegen die andere fehlt, so möge die andere es sogleich vergessen und der ersten noch mehr Liebe erweisen als gewöhnlich, damit die, die gefehlt hat, gar nicht bemerke, dass sie die andere betrübt hat.“

Während der schweren Prüfung, die die Verselbständigung der Häuser in Würzburg, Wien und Ödenburg verursachte, konnte Pfarrer Reichard schreiben: „Die ehrwürdige Mutter verhielt sich gegenüber Schwester Theophila immer sehr nachsichtig und liebevoll, selbst dann, wenn sie sie ermahnen musste.“

Gott bestimmte seine Dienerin für ein großes Werk der Wohltätigkeit im Rahmen der heiligen Kirche, und sie antwortete heldenhaft auf den Willen Gottes. Obwohl sie in inniger Verbindung mit Gott lebte, erklärte sie: „Ich will nicht in einen Klausurorden gehen, aber sehr gern würde ich dort leben, wo ich für das Heil der Seelen arbeiten könnte.“

Seit sie erkannte, welche Pläne Gott mit ihr hat, ließ sie sich von keinem menschlichen Hindernis aufhalten. Ihre Töchter ermunterte sie dazu, heldenhafte Liebe zu zeigen, indem sie sich aus Liebe zu Gott den Armen und Kranken schenken, ohne auf Mühe und Müdigkeit und ohne auf sich selbst zu achten, bis zur Hingabe des eigenen Lebens. Davon zeugen die Briefe, die sie ihnen schrieb, als sie sie aussandte, um die von der Cholera befallenen Kranken zu pflegen.

Auf dieser Grundlage werden wir die Stelle in den Ersten Regeln besser verstehen, wo das Ziel des Ordens definiert wird: „Der Orden soll den armen Kranken in ihrer eigenen Wohnung helfen, sofern sie eine haben, soll ihnen geeignete Nahrung, die nötigen Arzneien sowie Bett- und Leibwäsche reichen und sichern. Die Sorge soll auch anderweitig Betroffenen zuteilwerden, die den Orden um Hilfe bitten. Vor allem soll der Orden sich um das Heil der Seelen der Armen und Kranken kümmern. Der Orden soll arme verlassene Kinder aufnehmen und für sie sorgen, bis sie hinreichend vorbereitet sind, um zur ersten heiligen Kommunion hinzuzutreten.“

So entstand also eine Kongregation, die auf die dringenden Bedürfnisse ihrer Zeit antwortete und sich im Lauf einiger Jahre unglaublich ausbreitete.

Wir beten um ihre Heiligsprechung

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Seit 2018 ist sie seliggesprochen. Damit sie heiliggesprochen werden kann, bedarf es eines Wunders auf ihre Fürsprache — und des Gebetes derer, die darum bitten.

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