Abscheu vor der Sünde

Abscheu vor der Sünde

Die Dienerin Gottes hatte einen Hass gegen die Sünde und alles, was sich dem Glauben entgegenstellt. Als Schülerin mied sie die Kinder, die ungehörige Gespräche führten, sie weinte darüber und bekam deswegen eine Abneigung gegen die Schule. Später, als sie bei einem Essen war, bei dem unanständige Äußerungen gemacht wurden, fastete sie lieber, sie stand vom Tisch auf und ging weg, um zu beten und zu weinen.
In ihren Extasen sieht sie die Laster im Allgemeinen und deren verschiedene Ursachen. Diese Schau war für sie schmerzlich, fast unerträglich.
Sie brachte die ganze Essenszeit in ihrem Zimmer zu und betete und weinte, und da dieses neben dem Raum war, wo das Essen war, hielt sie sich die Ohren zu, damit sie nicht durch die Wand hörte, was geredet wurde. Deutlich wurden ihr die Mittel gezeigt, um die Laster zu bessern. „Sieh, meine Tochter“, sagt unser Herr, „das alles soll durch dich verbessert werden.“ Sie seufzte und sagte: „O, was für eine schwere Last. Dein Wille geschehe!“ Sie wurde bei diesem „zarten Genuss“ beunruhigt in Anbetracht der vielen Beleidigungen, von denen sie sah, dass sie sich gegen Gott richteten.“ Sie selbst durchlebt Augenblicke des Zweifels und der Entmutigung bei dem Gedanken, dass sie eine Sünderin ist, die der Gnaden Gottes unwürdig ist. Anderseits empfand die Dienerin Gottes große Freude, wenn sie in ihren Visionen die Bekehrung von Sündern sah. Pfarrer Reichard bezeugt das: „Sie sieht viele Bekehrungen bei Feinden des Katholizismus, bei Schismatikern und Ungläubigen, durch die Gott seine Barmherzigkeit bekundete… Aus dieser Schau der Barmherzigkeit, der Macht Gottes, schöpfte sie wieder großen Trost.“ Als Mitglied der Herz-Jesu-Bruderschaft war es ihr ein Anliegen, durch ihre Gebete und die Werke der Buße, die sie sich auferlegte, für die Sünden anderer Sühne zu leisten.

Gegen Ende ihres Lebens waren außergewöhnlicher Anlässe besonders schmerzliche Prüfungen für sie, die Tugend des Glaubens zu üben. Denn aus politischen, rechtlichen und institutionellen Gründen spalteten sich die Häuser von Wien, Würzburg und Ödenburg/Sopron ab. Diese Prüfungen trafen die Gründerin sehr hart, aber Mutter Alfons Maria überließ sich in einem Akt völliger Hingabe dem Willen Gottes.

Dieses Geschenk des Glaubens wollte die Dienerin Gottes an alle weitergeben, mit denen sie in Kontakt kam. Sie sprach ganz ausgezeichnet über Göttliches, zuerst in der Familie, bei den Kindern und den jungen Mädchen in Niederbronn, später mit den vielen Besuchern, die sie empfing. Gott bediente sich ihrer, um viele zu bekehren. Eines der Ziele ihres Werkes war die Sorge um die religiöse Unterweisung für Unwissende und arme Kinder. „Er (der Orden) muss arme verlassene Kinder aufnehmen und für sie sorgen, bis sie ausreichend in der Religion unterrichtet sind und ihre erste heilige Kommunion empfangen haben.“ Sie selbst holte sie zusammen, sprach mit ihnen und hielt sie zum Beten an.